Aufgewachsen im ungarischen Tardos, lief Tony Nagy als Kind 13 Kilometer zum benachbarten Fußballplatz — und 13 wieder zurück. In Wien lief der gelernte Elektrotechniker/Messtechniker in den Sechzigern zur Arbeit, als man auf der Hauptallee dafür noch für verrückt gehalten wurde. Und weil es damals kaum echte Laufschuhe zu kaufen gab — „Es gab Puma und Adidas, den Rest habe ich nach Österreich geholt“ — eröffnete er 1983 mit seiner Frau Anni zusammen, seinen eigenen Shop in der Praterstraße.
Tony war der erste Händler Wiens, der Kunden aufs Laufband stellte und den Laufstil per Video analysierte — Zigtausende Füße hat er so gesehen, selbst Orthopäden schickten ihm Patienten. Sein Anspruch war kompromisslos: Schuhe, die ihm nicht gefielen, gingen zurück an den Hersteller, und seinem Team verordnete er einen Marathon pro Jahr. „Weniger Verkäufer als Verkünder“ nannte ihn Der Standard in seinem Porträt.
Er selbst lief mehr als 100 Marathons — von Wien (erstmals 1988) über Venedig, Florenz, München, Macau und San Diego — dazu 100-km-Läufe in Biel, von Florenz nach Faenza und im Prater. Einmal um den Platten mit über 200Km war auch dabei. Bis kurz vor seinem 70er lief er täglich 8Km von daheim ins Geschäft. Heute führt Tochter Michaela den Laufshop nach seinem Vorbild weiter — inklusive der Tradition einmal pro Jahr in Gran Canaria zu trainieren.
Tony lebt mittlerweile in Gran Canaria.